Elisabeth Wärnfeldt

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04. December 2011

Hausmusik mit einer Ballade von Benny Andersson

Am 1. Dezember fand in meinem Wohnzimmer ein kleines Konzert statt. Ich habe zusammen mit Sängern des Unichors Wien, dem Geiger Maximilian Bratt und der Pianistin Petra Pogády, gesungen. Auf dem Programm stand die Freude an der Musik. Zum ersten Mal überhaupt habe ich Geburtstag gefeiert. Nach einer, für mich, sehr schweren Zeit, habe ich mich sehr gefreut und war so gerührt, dass mir manchmal die Stimme versagte.

Verlag Letter P
Ich möchte mich recht herzlich bei meinem Verleger Philipp Schmoetten bedanken. Durch seinen Verlag Letter P (http://www.letterp.is) ist das Konzert überhaupt zustande gekommen.

Dank des Erfolgs meines ersten Buchs, der Gedichtsammlung RED (http://www.letterp.is/red) wurde ich als Mitglied in den Schwedische Schriftstellerverband aufgenommen (http://www.forfattarforbundet.se)

In der “Pipeline”
Ich schreibe zur Zeit an meinem neuen Buch “Word” und am Libretto “Der Herrscher”. Außerdem arbeite ich an einer neuen Messe, die im nächsten Jahr vertont werden wird. Während der Livesendung habe ich ein Plakat des Graphikers Ralf Schraivogel gezeigt. Ich bin sehr stolz und glücklich mit Ralf ein aufregendes, gemeinsames Projekt begonnen zu haben.

“Wer nicht er selbst ist, ist niemand”
Als Künstler habe ich viele Ausdrucksformen, durch mein Singen und Schreiben. Wie oft stellt man mir nicht die Frage ob ich mir nicht selbst Konkurrenz mache. Mir scheint, einen Mann fragt man so etwas seltener. Mein Weg als Künstler ist gewiss ungewöhnlich, und doch hat der Schriftsteller Bodil Malmsten geschrieben “Wer nicht er selbst ist, ist niemand”. Man muss einfach seinen eigenen Weg finden.

Like an Angel
In unserer Hausmusik habe ich das Lied: Like an Angel passing through the Room von Benny Andersson gesungen. Ich habe Benny vor drei Jahren getroffen kennengelernt. Ich habe ein Gespräch mit ihm über seine Musik und besonders über sein Oper Kristina von Duvemåla geführt. Kristina von Duvemåla wird am 29. Februar 2012 Premiere im ”Svenska teatern” in Helsinki, Finland, feiern.

Eine Begegnung
Eine inspirierende Begegnung mit dem Komponisten und Musiker Benny Andersson

Benny Andersson sagt: „Ich bin kein Musiker oder Komponist, ich mache nur das, was ich kann“

Eine intensive und großartige Begegnung in welcher ich durch dieses inspirierende Gespräch mit Benny Andersson 20 Jahre von Musikstudium und Musizieren überprüfen musste. Vor mir sitzt ein Musiker im wahrsten Sinne des Wortes. Genau so demütig für seine eigene Kunst als für anderes. Wir sprechen alle seine Erfolge rundum den Planeten und Auszeichnungen durch und sind bald wieder beim Thema, den eigentlichen Grund für unser Gespräch. Wir nehmen Fokus auf das, was Benny, seit er 10 Jahre alt war, bezaubert und ans Klavier gefesselt hat — Musik machen zu dürfen.

Es hat doch noch früher angefangen, als ihm sein Vater und Opa Akkordeon nach Gehör und nach Volksmusikalische Tradition gelernt haben. „Es kann durchaus möglich sein das diese Melodien damals von Opa waren. Ich habe keinen anderen Akkordeonisten sie spielen gehört.“ sagt Benny

Als Opernsängerin mit ein Dr Phil in Musikwissenschaft als Musikalische Grundlage sehe ich ein dass, obwohl ich immer die Ambition gehabt habe mit einem offene Sinn zu studieren und zu musizieren, habe ich doch Musik in „ ein Fach“ eingelegt, etikettiert, analysiert und eingeordnet in eine ziemlich viereckige Welt. Benny sagt „Ich kann es nicht wissen, aber ich befürchte dass man durch die klassische Musikausbildung als Künstler eingeengt wird und sich selbst die Möglichkeit nimmt andere Richtungen weiter zu entwickeln“

Als sich herausstellt, dass Benny wie ich eine gemeinsame Liebe für die Volksmusik aus meinem Dorf Rättvik am Siljan See in Dalarna/Schweden hat, entwickelt sich unser Gespräch zu etwas ganz besonderem. Benny erzählt das er viele Jahre täglich die „Gärdebylåten“ und „Gånglåt“ von Rättvik tagtäglich gehört hatte. Diese traditionelle schwedische Volksmusik inspiriert ihn und bringt ihn in die richtige Stimmung zum Komponieren.

Auf meine Frage ob es einen Unterschied macht für ABBA zu schreiben oder eine Oper wie „Kristina von Duvemåla“, antwortet Benny „keine“… Benny Andersson ist Melodiker und die Melodien verlangen ihre Form und Ausdruck.

Ich verstehe endlich, warum ich Benny Andersson aufgesucht habe und was ich dadurch an die Musiker der klassischen Musik und ihr Publikum vermitteln will, nämlich das Hommagekonzert unserem schwedischen Melodiker Benny Andersson zu widmen. Wenn es überhaupt eine Zukunft für die klassische Tonkunst geben soll, müssen wir uns für die große Musikanten und was die uns zu geben haben öffnen. Es geht um mehr als „Crossover“! es geht um den Mut, einander zu begegnen.

In der Oper Kristina von Duvemåla hebt der Schriftsteller/Librettist Björn Ulvaeus und Benny Andersson die Geschichte aus Vilhelm Mobergs Romantrilogie „Der Auswanderer“ aus. Benny erklärt mir dass er dann mit seiner Musik die Geschichte erzählt und erst danach schreibt Björn den Text dazu. Benny sagt: „Ich kann nicht anders komponieren. Die Musik kommt mir entgehen, und ich habe es sehr schwer mich anzupassen.“ Benny sagt weiter: „Der Held in Vilhelm Mobergs‚ Der Auswanderer’ ist Kristina und nicht Karl Oskar, weil nichts geschieht womit sie nicht einverstanden ist und sie wird dadurch ‚der Nabel’ durch die ganze Geschichte. Die Frau ist auch in unserem Jahrhundert als Motor viel interessanter“

So haben Björn und Benny alles, was sich um Kristina dreht, aus dem Roman herausgeholt und gleichzeitig auch die Nebengeschichte über Robert eingearbeitet. Da die zuerst zusammengestellten 2 000 Seiten mit 58 Szenen, zu umfangreich waren, wurde diese auf eine überschaubare Menge gekürtz. Nun sind wir wieder zurück bei Bennys Gabe Musik zu schreiben und er sagt „wenn alles richtig für Kristina ausgelegt wird, zeigt sich der Rest von selbst.“

Die Rollen von Robert und Karl Oskar wurden für Tenöre geschrieben, weil diese Geschichte mit den Stimmen der beiden erzählt wird. Die Geschichte über eine Flüchtlingstragödie während der trockenen Jahren Mitte 19,-Jahrhunderts in Schweden, ist heute noch genau so aktuell mit den Flüchtlingen aus den verschieden Kriegszonen oder in der Zukunft, wenn, Völker vom Klimawandel und Naturkatastrophen flüchten werden.

Die Nähe zur schwedischen Volksmusikalischen Tradition ist das, was der Oper „Kristina von Duvemåla“ ihren Nordischen Klang gibt und das war das Referendum worauf Benny zurückgegriffen hat, als er die Musik konzipiert hat. Insgesamt brauchte Benny fünf Jahre um „Kristina von Duvemåla“ fertig zu schreiben.

Mit dieser lebendigen volkmusikalischen Tradition war es für Benny Andersson möglich als Komponist zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Die Intensität im kreativen Prozess gab Benny nie die Möglichkeit, sich eine traditionelle musikalische Ausbildung zu leisten. Sein Komponieren hat sich stattdessen von „try and error“ zu einer Kompositionstechnik entwickelt die sich nie in ein Regelsystem einschließen lässt. Durch die neue Technik arbeitet Benny mit einem Computer der eine detaillierte Skizze über seine Intentionen notiert so das es sich danach, von anderen, zur Partitur ausarbeiten lässt.

Wie sucht Benny die Instrumente für seine Melodien aus? „Ich sehe das Symphonieorchester als ein ganzes Instrument, genauso wie den Chor und die Begleitgruppe die in „Kristina von Duvemåla“ mitwirken. Als Bespiel: durch meine Erfahrung von ‚Chess’ weiß ich, dass die Trommeln sich schlecht in einen Orchestergraben eines Theaters einfügen lassen, deswegen war ich sparsam mit dem gebrauch davon.

Ich will zuletzt zurückkehren zum Konzipieren von der Musik und die musikalischen Ideen und frage Benny wie seine Arbeit ausschaut? Benny meint, dass man lernen muss ein Talent, dass man bekommen hat, frühzeitig zu erkennen. Wenn er zu dem Punkt kommen wo die Hände anfangen zu sprechen auf eine Art und Weise die er nicht erwartet hat ist er darauf vorbereitet. „Es ist eine physische Sache“ sagt Benny „aber auf das Gefühl kann ich mich verlassen. Ich muss nur hier beim Klavier sein und immer spielen, das ist einsam, es nimmt viel Zeit in Anspruch und verlangt großer Konzentration“. ‚Die Augenblick’ haben immer denselben Ausdruck aber sie zeigen sich verschieden. Nehmen wir den aus dem ABBA song oder aus „Kristina von Duvemåla“ so sind die ganz ähnlich aber sie verlangen verschiedene ‚Anzüge’.“

Benny sagt: „Ohne ‚die Augenblicke’ habe ich nichts. Die sind das Einzige dem ich treu sein muss. Ich muss mit meinem Ehrgeiz sehr genau umgehen denn nur mit diesen fundamentalen Augenblicken entstehen die Inspiration und dann kann eine Menge aus nur einem Atemzug fließen. Danach ist es weg und es dauert lang, bevor ich es wieder finde.“ Benny sagt: „Musik ist unschlagbar, sie geht direkt hinein, es ist Magie und ich bin sehr privilegiert mein Leben der Musik widmen zu dürfen. Wenn ich vor dem Klavier sitze ist der Kern meiner Intention eine Melodie zu machen, -etwas worauf ich die Komposition aufbauen kann; die Klänge, Rhythmen, Harmonien … Ich höre fast ausschließend auf klassische Musik und der größte ‚Melodymaker’ ist für mich JS Bach, meine große Inspiration und Vorbild.“

Benny kehrt zu der ernsten Intentionen für Komponieren zurück und er meint mit Musik kann man Menschen erreichen, die man auf andere Art nicht erreichen kann. Er beendet unsere Gespräch mit den Worten „damit kann man nicht pfuschen, das muss man einfach ernst nehmen“

Elisabeth Wärnfeldt

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